Warum deine Bewerbung scheiße ist – Wege aus der Anschreiben-Misere

Bewerbung
Quelle

Da das Thema in meinem Umfeld gerade akut ist, schreibe ich hier mal meine Gedanken dazu nieder.

Deine Bewerbung ist eine von vielen.
In sorgsam zusammen gedachten (aus den ersten Treffern bei Google kopierten) Textbausteinen setzt du „deine“ Bewerbung zusammen.
In den nächsten 1 bis 90 Tagen wird diese ein Personalmensch deines Wunschunternehmens löschen, in die Mülltonne werfen, oder wahrscheinlich in seinem Spamordner gar nicht bemerken, da er Mails mit Word Dateien als Anhang prinzipiell filtert.
(Niemand will Word Dateien als Anhang von Mails. NIEMAND.)

Warum deine Bewerbung Müll ist (und was du besser machen kannst)

Hier die Probleme, die meiner Meinung nach bei Anschreiben immer wieder dafür sorgen, das die Qualität leidet, und Tipps, um sie zu umgehen.

1. Floskeln
„Ich bin flexibel…“
„Gerne bringe ich mich ins Unternehmen ein…“
„Kann gut mit Menschen…“
„War schon in der Schule immer aufmerksam…“
Niemand wird diese Bewerbung lesen wollen, denn sowas wurde schon Tausendfach vorgelegt.
Ja, die ein oder andere Redewendung ist angebracht, und nein, du musst jetzt nicht Synonym- und Fremdwörterlexika wälzen, um es möglichst einzigartig zu gestalten – das erträgt keiner.
Das ein solcher Text eine bestimmte Form hat, ist klar – versucht aber, euch selbst einzubringen.
Wenn der Leser merkt, das der Text von einer Person, nicht von irgendeiner ist, wird das auffallen.
Versuche, wenn möglich, von der Konvention abzuweichen, ohne dabei zu wirken, als hättest du Krampfhaft etwas besseres sein wollen.

2. Lügen und Halbwahrheiten
Eine gute Bewerbung ist eine ehrliche Bewerbung. In der ihr zeigt, wer ihr seid, nicht, wie sehr ihr euch verbiegen könnt (außer ihr wollt genau das – hingebogen werden), mit Stärken und Schwächen.
Behaupte also nichts, was nicht stimmt. Die Menschen, die deinen Text lesen, haben Übung darin, Lügner zu entlarven – im zweifel merkst du es erst, wenn die Absage kommt.
Lügen ist etwas, was existiert, was nicht weg zu bekommen ist und was seine Berechtigung in der Welt hat. Vermeide trotzdem möglichst, sie zu nutzen.
Stell dir im zweifel die Frage: Warum will ich jetzt Lügen – und bringt mir das wirklich etwas? (Eine der Wahrheiten über Lügen ist, das nur sehr, sehr gute Lügner davonkommen. Die anderen werden früher oder später ertappt.)

3. Besserwisser
„Weil ich eine 1 in Informatik habe, betrachte ich mich als hervorragend geeignet, einen Beitrag in ihrer Abteilung leisten zu können“.
„Ich kann ihnen versichern, das ich ihrem Unternehmen von großem Nutzen sein werde!“
Woher weißt du das besser als der Personaler?
Woher weißt du das überhaupt? Und, ganz ehrlich, wir hatten alle Schule – und die Noten in den Fächern machen dich maximal lernfähig, nicht zu einem denkenden, oder überhaupt brauchbaren Menschen.
Du betrittst den schmalen Grad des sich selbst verkaufens.
Im zweifel ist die beste Verkaufsstrategie, wenn du einfach so gut bist, das sie dich so oder so haben wollen.
Behaupte nur dinge, die du Untermauern kannst.
Wenn du also sagst, das du gut mit Menschen kannst und total der Mathecrack bist, dann liefere Beweise dazu.
Selbiges gilt für Fremdsprachenkenntnisse.

Ein anderes extrem sind diejenigen, die sich vorher über die Firma belesen haben und alles wissen, was im „über uns“ Teil der Firmenwebsite steht.
Es schadet nie, bescheid zu wissen. Bete ihnen aber bitte nicht herunter, was 1997 der Großonkel des Exchefs damals in Timbuktu gemacht hat.
Nett zu wissen, aber das zeigt, das du den Fokus auf den unnützen Kram legst.

4. Vitamin B in Überdosis / Wichtigtuer
Frau X und Herrn Y guten Tag lesen in der zweiten Zeile „freundliche Grüße von Herrn Z“ (dem großen, wichtigem Kunden der Firma).
Falls du die Idee hattest, so etwas in deinen Text zu übernehmen, am besten, ohne den empfehlenden zu Fragen: lass es.
Folgende Gedanken schießen dem lesenden Menschen wahrscheinlich durch den Kopf:
-Für wen hält der sich?
-Kann der nix alleine?
-Das geht ja gut los.

Vitamin B ist richtig und wichtig: Viele Menschen kennen schadet nur selten. Noch weniger schadet es, wenn  diese Menschen dich mögen, weil du du bist, nicht, weil du dich verstellst.
Allerdings vermiest man sich mit solchen „Ich kenne XYZ“ jede Chance darauf, ernst genommen zu werden.

Vitamin B in Überdosis ist ungesund und schadet im zweifel mehr. Dosiert deshalb vorsichtig.

5. Gefordertes
Das Unternehmen, für welches du dich interessierst, forder Ganzkörperfotos, Bewerbungen im .bmp Format oder andere krude dinge?
Dann musst du dich entscheiden. Akzeptiere die Wünsche, oder lass es.
Was du nicht tun solltest ist, dagegen zu verstoßen – die Person, die die Forderungen aufgestellt hat, wird nur selten anderes hinnehmen, außer, du hast etwas besonderes, tolles vorzuweisen.

Halte dich an das, was gefordert ist, und mach in diesem rahmen, was dir gefällt.
Es gibt Ausnahmen, die Erfolg haben. Du solltest aber nur versuchen, diese Ausnahme zu sein, wenn du dir sehr, sehr sicher darin bist, das es eine gute Idee ist.

Selbiges gilt auch für den Umfang der Bewerbung: Mach nicht viel mehr oder weniger, es sei denn… siehe einen Abschnitt davor.

6. Social Media
Google, Facebook, Duckduckgo, Yahoo, Twitter, etc. – Alles diese Seiten bieten eine Suchfunktion. Falls du diese noch nie vorher mit deinem Namen, oder einer Kombination aus Name + Tätigkeit oder Ort befüllt hast (Nick Lange, Nick Lange Beruf, Nick Lange Chemnitz), ist der richtige Zeitpunkt vor! dem Absenden deiner Bewerbung.
Falls du dabei auf dinge stößt, die dir nicht passen, gibt es 2 Möglichkeiten.
a) Entferne diese Informationen rückstandslos aus dem Netz (im zweifel sehr schwer bis unmöglich)
b) Erkläre sie irgendwie, oder stell dich darauf ein, das sie zum Problem werden
Und ab diesem Punkt merkst du dir:

Das Netz vergisst nie.
Was du nicht vertreten kannst, schreibe nicht ins Netz.

7. Geduld
Am Ende des Tages werdet ihr wahrscheinlich trotz alledem mehrere Dutzend Bewerbungen schreiben. Der viel beschworene Fachkräftemangel mag existent sein – bemerkt habe ich davon selbst, und auch im Freundeskreis, noch nichts. Zumindest nicht, was Ausbildungsplätze angeht.
Je nach Branche mag das anders sein, aber eine der Fähigkeiten des Modernen Bewerbers muss zwangsläufig Geduld sein.

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