Selbstverwirklichung oder Seifenblase Part II

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Gastbeitrag
Woche 3 hat begonnen und man arbeitet an mir…

 

Anfangs meinte man, ich müsse lernen den Stoff „zu schlucken“– ohne immer (skeptisch) zu hinterfragen. Erschien mir teilweise sogar logisch, denn 1. kann ich nicht alles wissen und 2. gibt es berufsbezogene Fakten, die ich nicht immer erfassen, verarbeiten und verankern kann- noch nicht.
Immer wieder bekomme ich von Außenstehenden zu hören, ich müsse mich unterordnen und gesagtes hinnehmen- schon alleine um das Klassenklima bestmöglich zu gestalten. Aber ist das „meine“ Art? „Mein Weg“ ? Ich denke nicht. Also bin ich immernoch versucht einen gesunden Mittelweg zu finden. Allerdings verspüre ich aber immer mehr eine Entwicklung, die mir Sorge bereitet: ich werde still und traue mich manchmal nicht am Unterricht mitzuwirken. Meine Mitschüler meinen bisher, dass meine Beiträge recht konstruktiv wären- aber zählen ihre Stimmen oder zählen die Fakten unterm Strich…die Zensuren? Wohl leider letzteres…

Was mich letzte Woche dermaßen abgef*** hat waren Themen, wie Homöopathie und Anti- Impfen.
Es gibt eine Lehrkraft- eine scheinbar symphatische Person, die immer wieder (noch nicht mal unterschwellig!) versucht ihre persönlichen Ansichten, wie o.g. unterzubringen. Ansichten, die auf keinerlei Fakten basieren und bei nicht autonomen Denkern eventuell Grundsteine legen könnten, dass Impfen ungesund sei und Homöopathie Krebs heilt. Ich musste auf meinen Stift beißen um nicht zu platzen! Aber gerade jene Lehrkraft ist eine dieser Personen, die einem ins Gesicht lächeln aber dann doch schon das imaginäre Messer gezückt halten- so mahnt mich mein Empathievermögen zumindest. Also was tun? Nur nicht unnötig auffallen oder den eigenen Unmut verlauten lassen? Habe dann eine kleine schlichte Frage in den Raum geworfen „Aber sie lehren jetzt nicht ausschließlich Alternativmedizin, oder?“ Gut fand sie diese Frage nicht- sichtlich, beantwortete jene aber mit einem „Nein“. Ich war erleichtert.

Ach und Herpes ist übrigens für die meisten Krebsarten verantwortlich…

Ich frage mich ständig, wie man den Spagat zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin schaffen soll- so als LehrerIn, wenn man ein medizinisches Faktenfach unterrichten soll?!

 

Heute der nächste Schock.
Unterhaltung in der Pause: Thema Chemtrails. Höre eine Stimme aus dem Hintergrund. „Chemtrails- voll schlimm, ey!“ Ich schaue meine Gesprächspartnerin (eine Lehrerin) fragend an und sehe, dass sie sich das Lachen verkneifen muss. Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich lachen oder weinen soll. Eine angehende Erzieherin ist tatsächlich der Meinung, dass es wirklich Chemtrails gibt und diese schädlich für uns seien! Chemtrails sind übrigens diese weißen Streifen, die manchmal am Himmel zu sehen sind wenn Flugzeuge fliegen —> Kondensstreifen! Manche Leute denken aber, dass diese von Regierungen initiiert sind und uns krank machen sollen. Ich hätte gern noch auf Haarp angesprochen, doch die Pause war dann leider vorüber. Jeder halbwegs intelligente Mensch weiß aber, dass das definitiv nur Kondensstreifen sind. Immer mehr wird mir bewusst, dass SOLCHE Leute mal Kinder erziehen sollen und dieser Gedanke macht mir eine unheimliche Angst um unsere nachfolgenden Generationen…„unheimlich“ trifft es ganz gut. Eigentlich müssten solche Fragen im Eignungstest aufgegriffen werden und dann konsequent Ablehnungen erfolgen. Aber scheinbar ist es irrelevant, ob KiTa- Ausflüge nur bei Chemtrailreinem Himmel unternommen werden oder ob die „Hohle Erde“ eine Zuflucht sein kann.

Aber:
Toleranz ist ebenfalls wichtig- Toleranz den armen Seelen gegenüber, die an derartige Mythen glauben. Schließlich respektiere ich auch religiöse Glaubenseinstellungen und andere- nicht mit meinem Denken kompatible, Ansätze.

Welches das „richtige“ Weltbild ist, kann sowieso nur jeder für sich alleine festlegen…

 

Nun zu etwas lustigerem (gibt’s eigentlich noch etwas humorvolleres als eine Frau Mitte 30, die an Stoll- Bullshit glaubt?!)

Man stelle sich eine Klasse von rd. 25 Leuten vor, die alle GLEICHZEITIG versuchen ihre Gitarre zu stimmen. Nur ein Bruchteil meiner Mitschüler weiß überhaupt, wie man ein Stimmgerät benutzt und nur ein geringer Teil hat demzufolge diesen Akt binnen 5min geschafft. DAS macht Kopfweh!

 

Morgen wird ein toller Tag 🙂
Denn morgen darf unser Psychologe/ Philosoph wieder ran.
Anfangs war er sichtlich schüchtern und unsicher- wohl, weil er erst seit kurzem als Dozent tätig ist. Ich fühlte mit ihm, denn auch ich war genauso unsicher, als ich das 1. Mal den Unterricht führte oder vor größerem Publikum sprechen musste. Aber helfen konnte ich ihm nicht wirklich, da mich seine Unsicherheit ansteckte. Also wartete ich geduldig und siehe da: er wird langsam mit seinem eigens gewähltem Beruf warm…und auch mit uns. Und langsam werde ich- in seinem Unterricht, ein immer wertvolleres Mitglied des Klassenverbandes, weil er es zulässt.

Belustigte & schockierte Grüße und bis demnächst,

ApprenticeXY

 

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