Düfte

 

Ich mag den Geruch von Metall.

Genauer, von den Oxidationsprodukten, die von der Interaktion zwischen Haut und Metall übrig bleiben.

Mein Vater ist in Metallberufen (Schmiedekunst und Schlosserei) groß geworden und war auch darin tätig. Das Haus, in dem ich aufwuchs, ist voll von Zeugnissen dieser Zunft, sowie allerlei Maschinen und Werkzeugen.

Wenn ich durch die untere Diele gehe, sehe ich die Gusseisernen Treppengeländer, Schwarz wie die Nacht, die Kunstwerke, die an der Wand hängen.

Diese Farbe, ungefähr.

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Und all das riecht! Es riecht nach Metall, es riecht, wie Blut schmeckt, es riecht nach Arbeit, nach Handwerk.
Metall ist immer allgegenwärtig gewesen in meinem Leben.

Jeden Tag trage ich 100 g Metall mit mir herum, weil ich mich ohne nicht wohl fühle.
Der Geruch von Metall macht, das ich mich wohl fühle. Mein leben lang werde ich dafür sorgen, welches um mich zu haben.

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Ich bin mit Haustieren groß geworden, Hunde, Katzen, Ziervögel. Der Geruch von Tierfell war lange Zeit meines Lebens einfach immer da.
Heute, wo ich in Chemnitz wohne, vermisse ich das nur noch bedingt.
Aber ich erinnere mich daran.

Mein Vater benutzt zur Rasur Produkte von Tabac Original.
Tabac
Früher oder später, wenn ich es mir leisten kann, werde ich das wohl auch tun.
Diesen Geruch vergesse ich nie.

Einige Menschen riechen.
Nicht streng, nicht schlecht, sie haben einfach einen starken Eigengeruch.
Ich kenne 2-3 Personen, die ich blind am Geruch erkennen würde.

Ich bin nicht in einer wunderschönen Ecke Zwickaus groß geworden.
Nur 2 Nachbarhäuser, beide jeweils 100 m entfernt.
Angrenzend ans Haus: Wald und Feld.
Ich weiß nicht mehr, wie der Wald riecht, ich kann es mir einfach nicht merken.
Ich weiß nur, das ich den Geruch erkenne, wenn ich da bin.
Den weg vorm Haus, im Sommer, wenn die Steine heiß von der Sonne sind.
Das Feld, wenn es gemäht wird.
Und das grün. Alles riecht grün. Alles riecht lebendig.

Ich vermisse den Luxus, das jeden Tag haben zu können.

Dieser Blogpost wird zum Teil ein Abbild meiner Gedanken wieder spiegeln und könnte Spuren von Wirrwarr enthalten.

Teil 8 des Blogideekastens

Alle anderen Beiträge zu diesem Thema finden sich hier.

2 Gedanken zu „Düfte

  1. Ich bin auch so ein Mensch, der empfänglich für Gerüche und Geschmäcke ist, vor allem, wenn sie mich an meine Kindheit oder andere prägende Ereignisse erinnern. Ich erinnere mich daran, dass ich einst einen Traum hatte, in dem ich nachts über einen schwarzen Deich lief, um in eine Bar einzukehren, die sich irgendwo beim Deich befand und darin herrschte ein seltsam warmer Geruch von Himbeeren. Es mögen Himbeeren gewesen sein oder auch nicht. Ich denke aber immer wieder daran.
    Früher habe ich auch von Zeit zu Zeit einen meiner Ringe in den Mund gesteckt, weil ich den metallenen Geschmack so schön fand. Eigentlich eigenartig. Was der Körper einem damit wohl sagen möchte?
    Die Vorliebe für Metallgerüche kann ich jedenfalls nachvollziehen.

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